Ruhebedürfnis des Hundes

Ruhebedürfnis des Hundes- wieviel Schlaf braucht der Hund eigentlich?

Wozu all der Stress?
Viele Hundehalter geraten regelrecht unter Stress, weil sie befürchten ihrem Hund nicht gerecht zu werden. Der kleine  Welpe ist kaum im neuen Zuhause angekommen und schon startet das Programm. Stadtbesuche, Tiergarten, Spielgruppen, Trainingseinheiten und frühzeitig schon mal darüber nachdenken, was man Bello später alles bieten möchte. Auslastungsventile müssen her. Longieren, Mantrail, Dummyarbeit, natürlich dürfen Tricks nicht fehlen für die Kopfarbeit! Viel Zeit für andere Dinge hat man als Hundehalter dann nicht mehr, aber das hat man ja gewusst- ein Hund beansprucht viel Zeit, Zuwendung und natürlich jede Menge Bewegung und Beschäftigung… Aber ist das wirklich so? Wie war das denn früher? Der Hof- und Wachund beispielsweise, der die meiste Zeit „dumm rumgelegen hat“- Tierquälerei?

Der Beschäftigungswahn 
Es gibt immer wieder neue Beschäftigungsvariationen für unsere Hunde, Schnupperkurse hier und da. Es muss immer ausgefallener werden. Wer Spaß dran hat, kann mit seinem Hund durch Schlammlöcher robben… Mein Ding wäre das nicht und das meiner Hunde übrigens auch nicht 😉
Natürlich ist es sehr wichtig Hunde an Umweltreize heranzuführen und sie am Alltag teilnehmen zu lassen. Bello soll ja schließlich überall dabei sein können- und so soll es auch sein! Auch sinnvolle Beschäftigung ist löblich, wenn Hund und Halter Freude dran haben.
Was ich nicht gut finde, ist der regelrechte Beschäftigungswahn. So wie unsere Kinder keine freie Minute mehr haben um einfach mal „spielen zu gehen“, hat unser Hund auch einen strammen Stundenplan und wenn das Wetter mal richtig sch… ist, und man null Lust hat das Haus zu verlassen, vergeht man vor schlechtem Gewissen… Weil man MUSS mit dem Hund bei jedem Wetter vor die Türe! Das tun andere Hundehalter ja auch (aber tun sie es denn wirklich?).
Letztens habe ich eine Hundehalterin mit ihrem Hund im strömenden Regen beobachten können… Der Hund war eine kurzhaarige Rasse, der sich einfach umgedreht hat und zurück zum Auto gerannt ist. Eindeutiges Zeichen- Frauchen hat dann resigniert und sie sind zusammen nach Hause gefahren. Achtet darauf, was euer Hund mag und was nicht!

Wieviel Ruhe braucht der Hund?
Zum Thema Ruhebedürfnis ist folgendes zu sagen: Zunächst einmal ist jeder Hund anders. Die einen brauchen mehr Ruhe, die anderen weniger. Beobachtet euren Hund, er wird es euch wissen lassen!

Der Begriff „hundemüde“ kommt nicht von ungefähr. Das natürliche Ruhe- und Schlafbedürfnis unserer Hunde ist recht hoch. Erwachsene Hunde ruhen 17 Stunden und mehr pro Tag, wenn man sie lässt. Man schaue sich einmal die verwilderten Straßenhunde in den südlichen Ländern an. Sie werden nicht durch den Menschen beeinflusst und zeigen „natürliches“ Verhalten und ruhen oft an die 20 Stunden pro Tag.

Unsere Rassehunde haben es oftmals regelrecht verlernt ihr Ruhepensum einzuhalten oder einzufordern, weil sie permanent beschäftigt werden. Der Hundehalter meint es ja nur gut und gerade „Arbeitsrassen“ wie Aussie und Co. sind vielfach überbeschäftigt und werden statt relaxed und ausgelastet zu sein, überdreht und hyperaktiv! Ein Teufelskreis! Manchen Hunden muss man das „runterfahren und Ruhe finden“ regelrecht beibringen, so paradox das klingt.

Fakt ist, dass Hunde, die generell zu wenig schlafen anfälliger sind für Krankheiten und überdrehter, oftmals auch aggressiver sind.

Dabei ist es so einfach…
Daher achtet bitte darauf für euren Hund ein gesundes Gleichgewicht zwischen Action und Ruhe zu finden und macht euch weniger Stress wenn es mal Tage gibt an denen ihr nicht viel Zeit für euren Hund habt. Es macht ihm nämlich gar nichts aus!

Das Phänomen passt leider in unsere hektische, schnelllebige Gesellschaft. Wir haben verlernt auch einfach mal nichts zu tun, einfach mal ohne Smartphone und sonstige Beschallung die Natur zu erleben und zu genießen. Einfach nur mal zu „sein“.
Es muss nicht immer Action sein, weder für Mensch, noch für den Hund. Um das zu lernen, besuchen wir Yoga- und Meditationskurse, dabei ist der Weg „back to the roots“ gar nicht sooo schwer! Mit Hund ist es sogar noch einfacher! Zusammen entspannen und Spaziergänge ohne Bespaßung und Trainingseinheiten zwischendurch- das sollte unser Ziel sein. Und bei Shitwetter kann man mit Hund auch einfach mal einen Tag auf der Couch abhängen! Tut uns Menschen gut und unserem Vierbeiner genauso!

Gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden und das Wetter kalt und grau ist-  die ideale Zeit um runterzufahren und wieder mal durchzuatmen…

Genießt diese Zeit mit euren Liebsten- den Zwei- und Vierbeinern!